Erika Silvestri, 80 Jahre – alles für die Katzen (und nichts „für die Katz“!)

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Bruderliebe

Wir erlauben uns, am Ende dieses Jubiliäumsjahrs noch einmal auf
ein wichtiges Ereignis zurückzukommen: Erika Silvestri, die Schaffhauser Katzenmutter, feierte am 26. Juni 2015 ihren 80. Geburtstag.

Eigentlich sollten die Katzen etwas erzählen über die Frau, die ihr Leben selbstlos den heimatlosen Katzen gewidmet hat: über Erika Silvestri, die bekannte Katzenmutter und langjährige Leiterin des Katzenhauses Schaffhausen.

Harmloser Anfang

Dabei hat alles ganz langsam und harmlos angefangen. Mausi war die erste Katze der Familie Silvestri. Zugelaufen, geliebt, gepflegt und dann leider überfahren. Es folgten Mike und Tiger vom Bauernhof, Peti, ein stattlicher Kater, der sich als gestandene Kätzin entpuppte und zwei Kätzchen warf, Susi und Nicki. Es dauerte nicht lange, da tummelten sich 15 Katzen bei Silvestris zu Hause. Der Vater gab zwar Gegensteuer, musste aber bald einsehen, dass es nutzlos war. Auch die Kinder wussten um Erikas Katzenliebe. Sie merkten, dass Erikas Toleranzgrenze bei den Katzen einiges höher war als bei ihnen. Pinkelten die Katzen auf die Schulhefte, so schimpfte Erika nicht etwa mit den Katzen, sondern schalt die Kinder, die Hefte nicht herumliegen zu lassen.

 

Die Gründung des Katzenhauses

Erika wurde immer mehr zur Katzenmutter. Jeden Abend schlich sie zu einem nahen Bauernhof, den Milchkübel dabei. Nicht zum Milchabholen, ganz im Gegenteil. Beim Kommen war der Milchkübel voll, beim Gehen leer. Auf dem Bauernhof blieb dessen Inhalt – Katzenfutter! Nicht zur Freude des Bauern. Aber wer Erika kennt, der weiss, dass der Ärger eines Bauern sie nicht davon abhalten kann, die Katzen zu füttern, um sie später kastrieren zu lassen.

Bald wussten alle, dass man heimatlose Katzen zu Erika bringen kann. Doch ihr Keller wurde rasch zu klein. Und so gründete Erika zusammen mit weiteren Katzennärrinnen den «Verein für heimatlose Katzen» und mietete das «Hexenhäuschen» an der Sonnenburggutstrasse in Schaffhausen. Das war 1978, also vor 37 Jahren. Bis 2006 war Erika Silvestri Präsidentin des Vereins.

 

Erika Silvestri und die Katzen

Alle, die Erika Silvestri kennen, wissen: Sie macht keine Kompromisse, wenn es um das Wohl der Katzen geht. Jede Katze hat Anrecht auf eine korrekte Behandlung und ein tiergerechtes Leben. Nie würde Sie eine Katze, für die noch Hoffnung besteht, aus zeitlichen oder finanziellen Gründen aufgeben. Das Loslassen ist denn vielleicht auch ihre grosse Schwäche. Erst wenn sie restlos überzeugt ist, dass für ein Büsi keine Hoffnung mehr besteht, darf der Tierarzt es erlösen. Natürlich weiss sie, dass auch eine Euthanasie im rechten Moment aktiver Tierschutz ist. Aber im konkreten Fall leidet sie und stirbt am Ende jedes Mal ein wenig mit.

Kraft schöpft Erika Silvestri aus all den glücklichen Fällen: Wenn sie eine Findelkatze nach zwei Jahren dem Besitzer zurückbringen kann. Wenn sie einen Wurf hilfloser, knapp dem Hungertod entrissener Kätzchen aufpäppeln und an einen guten Platz weitergeben kann. Wenn sie einen Kater kurz vor dem Verdursten aus einem dunkeln Keller retten konnte. Wenn Erika Silvestri durch das Katzenhaus geht und zu jeder Katze eine wundersame Geschichte erzählen kann, die Katzen sie schnurrend begrüssen, dann ahnt man etwas von dem immateriellen Lohn und Dank, den die Büsis zurückgeben. Ein Lohn für Herz und Seele.

Wenn es um das Wohl der Katzen geht, kennt Erika Silvestri keine Grenzen und kein Mitleid – weder mit sich noch mit anderen. Sie gibt alles bis zur Erschöpfung und erwartet das Gleiche von ihren Mitstreitern. Grenzenlos ist Erikas Einsatz auch, wenn es gilt, eine Schar Katzenwelpen über die Grenze zu schmuggeln. Im Auto an der italienischen Grenze singt laut Pavarotti ab CD, um das Miauen im Auto zu übertönen – und das freundliche Lächeln ihrer Tochter bewirkt den Rest, um unbesehen durchgewunken zu werden … Eine Anekdote nur, aber eine, die viel erzählt über die Katzenmutter.

 

Dank und Gratulation

Der Vorstand des Vereins zum Schutz heimatloser Katzen dankt der Katzenhausleiterin Erika Silvestri am Ende dieses Jahres noch einmal von ganzem Herzen. Und wir hoffen, dass sie noch lange dazu beitragen kann, ihr Lebenswerk zu sichern und den Katzen ein schönes Zuhause zu bieten.

Dr. med. Richard Altorfer (Präsident), Dr. med. vet. Markus Trächsel (Vizepräsident und verantwortlicher Tierarzt), Daniel Fitze, Maja Schmid, Linda Strack, Karin Urech, Michael Weng

16.02.2016